Geschichte, Architektur und Kunst des Stephansdoms
Der Stephansdom steht nicht einfach in der Mitte Wiens. Er hat diese Mitte erst erzeugt.
Wer vom Graben auf den Stephansplatz tritt, sieht deshalb weniger eine Kirche als einen Maßstab. Von hier aus wurden Straßen gedacht, Prozessionen geordnet, Entfernungen beschrieben und politische Zugehörigkeiten inszeniert. Der Turm erscheint noch immer zwischen Häuserzeilen, auf Stadtansichten und Verpackungen, in Reiseführern und Wahlplakaten. Wien besitzt größere Paläste, reichere Museen und geschlossenere barocke Ensembles. Aber kaum ein Bauwerk ist so unmittelbar mit der Vorstellung verbunden, dass hier Wien sei.
Der Dom ist dabei kein stilistisch reines Gebäude. Er ist ein historischer Körper. Romanische Teile stehen neben hoch- und spätgotischen Bauformen; barocke Altäre besetzen gotische Chöre; das Dach des Mittelalters wurde nach 1945 als Stahlkonstruktion neu errichtet; eine Glocke aus dem 20. Jahrhundert hängt in einem Turm, der im 16. Jahrhundert unvollendet blieb. Selbst dort, wo der Dom alt aussieht, ist er häufig Ergebnis von Wiederaufbau, Ergänzung, Restaurierung und Neuinterpretation.
Genau deshalb ist er so interessant. St. Stephan ist keine eingefrorene Vergangenheit. Er ist eine Stadtgeschichte aus Stein, Metall, Holz, Glas und Erinnerung.
I. Bevor Wien Wien wurde
Die erste Stephanskirche entstand im 12. Jahrhundert. Das mittelalterliche Wien war damals wesentlich kleiner als die heutige Innenstadt. Die Babenberger bauten ihre Residenz aus; Handel und Bevölkerungszahl wuchsen. 1137 wurde im sogenannten Mauterner Tauschvertrag der Bau einer Kirche geregelt, 1147 wurde ein erster Bau geweiht. Von dieser romanischen Kirche ist heute nur wenig unmittelbar sichtbar. Doch gerade der westliche Teil des Doms trägt noch die Erinnerung an sie.
Das ist die erste wichtige Lektion beim Besuch: Der Stephansdom sollte nicht nur von Osten nach Westen oder von Altar zu Portal gelesen werden, sondern auch chronologisch. Je weiter man sich dem Westwerk nähert, desto näher kommt man den ältesten sichtbaren Schichten.
Fundort: Westfassade – Riesentor und Heidentürme
Wo? Am Stephansplatz auf der Westseite des Doms, gegenüber dem U-Bahn-Abgang. Das Riesentor ist der heutige Haupteingang; rechts und links stehen die beiden Heidentürme. Das Riesentor gehört zu den ältesten erhaltenen Teilen des Bauwerks. Der Name hat wahrscheinlich nichts mit einem tatsächlich riesenhaften Eingang zu tun. Seine Herkunft wird unterschiedlich erklärt; gerade solche volkstümlichen Namen zeigen, wie stark sich im Dom Baugeschichte und Legende überlagern.
Architektonisch ist das Portal entscheidend, weil man hier noch eine andere Sprache erkennt als im hochgotischen Langhaus oder am Südturm: schwere Rundbogenformen, tiefe Gewände, kompakte Skulptur und die körperliche Massivität der Romanik.
Die beiden sogenannten Heidentürme rahmen diesen Westbau. Sie erreichen bei weitem nicht die Höhe des späteren Südturms. Gerade darin liegt ihr Reiz: Sie zeigen einen Stephansdom, bevor der gotische Wille zur Vertikale das Gebäude dominierte. Wer den Dom verstehen will, sollte deshalb vor dem Eintritt einige Minuten hier stehen bleiben. Das Westwerk ist kein Vorspiel. Es ist der architektonische Rest eines früheren Wien.
II. Rudolf IV. und der Versuch, eine Hauptstadt zu erfinden
Die entscheidende Gestalt für den gotischen Stephansdom war Herzog Rudolf IV., genannt „der Stifter”. Rudolf regierte nur kurz, von 1358 bis 1365, aber seine politischen Ambitionen waren enorm. Wien besaß damals noch keinen eigenen Bischofssitz. Kirchlich war die Stadt Passau unterstellt. Für eine aufstrebende Residenz war das ein erheblicher symbolischer Mangel. Rudolf reagierte darauf mit Architektur.
1359 legte er den Grundstein für den groß angelegten gotischen Ausbau von St. Stephan und gründete ein Kollegiatstift. Architektur wurde damit zu einer Form politischer Argumentation. Wien sollte aussehen wie eine Hauptstadt, noch bevor alle institutionellen Voraussetzungen dafür existierten. Man könnte sagen: Rudolf baute die Bedeutung, die er für Wien beanspruchte, zunächst in Stein.
Erst 1469 – mehr als ein Jahrhundert später – wurde Wien tatsächlich Bischofssitz. Der Dom war also der kirchlichen Aufwertung der Stadt teilweise vorausgeeilt.
Fundort: Herzogsgruft – unter dem Dom
Wo? In den Katakomben unter dem Chorbereich; nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Rudolf IV. und Angehörige seiner Familie wurden in der Herzogsgruft bestattet. Wer dort hinabsteigt, verlässt nicht nur den sichtbaren Dom. Man gelangt in die politische Tiefenschicht des Gebäudes.
Der Zusammenhang ist bemerkenswert: Der Mann, der den gotischen Ausbau als dynastisches Projekt vorantrieb, liegt unter dem Bauwerk, das seine politische Vorstellung von Wien am dauerhaftesten verwirklichte.
III. Der Südturm – Architektur als Behauptung
Wer den Stephansdom aus größerer Entfernung erkennt, erkennt meist zuerst den Südturm. Er wurde 1433 vollendet und ist 136,4 Meter hoch. Bei seiner Fertigstellung gehörte er zu den höchsten Kirchtürmen Europas. Bis heute ist er die dominante Vertikale des historischen Wiener Zentrums.
Der Turm wirkt aus der Ferne beinahe selbstverständlich. Aus der Nähe erkennt man dagegen, wie unwahrscheinlich diese Konstruktion eigentlich ist. Der Stein wird nach oben immer stärker in Pfeiler, Fialen, Maßwerk, Öffnungen und ornamentale Strukturen aufgelöst. Gotische Architektur versucht nicht, die Masse des Materials zu verleugnen; sie versucht, sie optisch zu überwinden. Der Turm scheint deshalb weniger auf dem Boden zu stehen, als sich aus ihm herauszuarbeiten.
Das ist mehr als Bautechnik. Es ist ein Weltbild. Die Gotik macht Höhe zu Bedeutung. Je stärker der Bau nach oben strebt, desto deutlicher wird die irdische Schwere als etwas dargestellt, das überwunden werden soll.
Fundort: außen an der Südseite
Wo? Vom Stephansplatz an der Südseite des Doms. Der Zugang zur Turmbesteigung liegt etwas versteckt hinter dem Turm in Richtung Curhaus. 343 Stufen führen hinauf zur Türmerstube in ungefähr 67 Metern Höhe. Wer hinaufsteigt, bekommt nicht nur einen Ausblick. Man erlebt die enorme Wandstärke und die Enge mittelalterlicher Turmarchitektur körperlich.
Von oben wird außerdem sichtbar, wie stark der Dom noch immer die Stadt organisiert. Straßen laufen auf ihn zu, Dächer bilden eine niedrigere horizontale Schicht, während der Turm darüber steht wie ein mittelalterliches Koordinatensystem.
IV. Das Dach – Wiens vielleicht größte abstrakte Bildfläche
Viele Besucher schauen zuerst auf den Turm und übersehen dabei das vielleicht eigenwilligste äußere Merkmal des Doms: sein Dach. Es ist extrem steil. Die farbig glasierten Ziegel bilden geometrische Muster und Wappen. Auf der Südseite erscheinen unter anderem der Doppeladler und heraldische Zeichen Österreichs und Wiens. Das Dach funktioniert dadurch fast wie eine monumentale textile Fläche. Architektur wird Ornament.
Die heutige Konstruktion ist allerdings ein Produkt des Wiederaufbaus nach 1945. Der mittelalterliche hölzerne Dachstuhl verbrannte in den letzten Kriegstagen. Beim Wiederaufbau wurde eine leichtere Stahlkonstruktion errichtet; Dachhöhe und Neigung wurden beibehalten. 1950 war das Dach wieder eingedeckt. Das Ergebnis ist typisch für St. Stephan: Was wie mittelalterliche Kontinuität aussieht, enthält eine moderne Tragstruktur.
Fundort: beste Sichtpunkte
Wo? Besonders gut von der Südseite des Stephansplatzes, vom Südturm und vom Nordturm. Bei speziellen Dachbodenführungen lässt sich die Stahlkonstruktion von innen sehen. Wer nur auf die Ziegel blickt, sieht Dekoration. Wer weiß, was darunterliegt, sieht Nachkriegsgeschichte.
V. Der unvollendete Nordturm – das Scheitern als Teil des Wahrzeichens
Der Stephansdom sollte ursprünglich eine monumentale Zweiturmanlage erhalten. 1450 begann unter Kaiser Friedrich III. die Vorbereitung des Nordturms; 1467 wurde der Grundstein gelegt. Doch der Bau kam langsamer voran als beim Südturm. 1511 wurde die Arbeit eingestellt. Reformation, wirtschaftliche Veränderungen und die zunehmende Bedrohung durch die Osmanen verschoben die Prioritäten der Stadt. 1578 erhielt der unvollendete Turm eine Renaissancehaube.
Heute ist er 68,3 Meter hoch. Gerade seine Unvollständigkeit macht die Silhouette des Stephansdoms unverwechselbar. Ein symmetrisch vollendeter Bau wäre vielleicht harmonischer geworden – aber wahrscheinlich weniger wienerisch. Hier wird sichtbar, dass große Architektur nicht nur aus Plänen entsteht. Sie entsteht aus Geld, Politik, Kriegen, Technologien und abgebrochenen Ambitionen.
Fundort: Nordseite und Nordturmplattform
Wo? An der Nordseite des Doms. Ein Lift führt zur Plattform des Nordturms. Dort befindet sich heute auch die berühmteste Glocke Wiens.
VI. Die Pummerin – eine Glocke aus Kanonen und Erinnerung
Die Pummerin ist mehr als ein Musikinstrument. Die historische große Glocke wurde 1711 aus erbeuteten osmanischen Kanonen gegossen. Sie hing zunächst im Südturm. Beim Dombrand 1945 stürzte sie herab und wurde zerstört. Die heutige Pummerin wurde 1951 in St. Florian neu gegossen, teilweise unter Verwendung von Material der alten Glocke. 1952 kam sie nach Wien und wurde zum Symbol des wiederaufgebauten Stephansdoms.
Damit verbindet sie zwei große Erzählungen österreichischer Geschichte: die Erinnerung an die Osmanenkriege und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.
Fundort: Nordturm
Wo? Auf der Plattform des Nordturms, erreichbar mit dem Lift. Die Glocke hängt nicht irgendwo im Hintergrund. Man kann ihr erstaunlich nahe kommen. Ihr Maßstab verändert sich dadurch: Was vom Platz nur als Klang über der Stadt erscheint, wird zu einem tonnenschweren Körper aus Bronze.
VII. Das Langhaus – eine steinerne Bewegung
Durch das Riesentor betritt man ein Raumgefüge, das deutlich anders funktioniert als die äußere Silhouette erwarten lässt. Das Langhaus ist dreischiffig. Bündelpfeiler gliedern den Raum; darüber entfalten sich Gewölbe. Die Architektur arbeitet mit Wiederholung, aber nicht mit Monotonie. Pfeiler, Rippen und Bögen erzeugen eine Bewegung nach Osten, zum Chor.
Das Licht ist gedämpfter als in vielen barocken Kirchen. Der Raum möchte nicht überwältigen, indem er alles sichtbar macht. Er arbeitet mit Zonen, Schatten und Verdichtung. Die gotische Struktur wurde im Laufe der Jahrhunderte von barocken Altären ergänzt. Dadurch entsteht keine stilistische Reinheit, sondern jene eigenartige historische Mehrstimmigkeit, die für den Dom charakteristisch ist.
Ein mittelalterlicher Baumeister, ein barocker Bischof und ein Restaurator des 20. Jahrhunderts hätten sich über Ästhetik kaum geeinigt. Im Stephansdom stehen ihre Entscheidungen nebeneinander.
VIII. Die Kanzel – Stein, der sprechen soll
Zu den berühmtesten Kunstwerken im Inneren gehört die spätgotische Kanzel. Sie stammt aus der Zeit um 1500. Lange wurde sie selbstverständlich Anton Pilgram zugeschrieben. Heute ist die Forschung zurückhaltender: Der Entwurf könnte aus dem Umfeld beziehungsweise der Nachfolge Niclas Gerhaert van Leydens stammen; Pilgram dürfte zumindest an der Ausführung beteiligt gewesen sein.
Das mindert ihre Bedeutung nicht. Im Gegenteil: Die Kanzel zeigt, wie eng Architektur und Skulptur in der Spätgotik verbunden sind. An der Brüstung erscheinen die vier Kirchenväter. Sie sind nicht als abstrakte Heilige dargestellt, sondern als charakterisierte Köpfe unterschiedlichen Temperaments und Alters. Stein bekommt Psychologie.
An der Treppe kriechen kleine Tiere; Kröten und Eidechsen werden Teil eines moralisch-symbolischen Mikrokosmos. Die Kanzel ist deshalb kein bloßes Möbel für Predigten. Sie ist ein gebautes Denkbild.
Fundort: nördlicher Bereich des Langhauses
Wo? Wenn man durch das Riesentor eintritt und nach vorne zum Hochaltar blickt, befindet sich die Kanzel auf der linken, also nördlichen Seite des Mittelschiffs, an einem Pfeiler im vorderen Langhausbereich.
Der Fenstergucker
Unterhalb der Kanzeltreppe schaut ein steinerner Mann aus einem kleinen Fenster hervor. Dieser „Fenstergucker” wird traditionell als Selbstbildnis Anton Pilgrams gedeutet. Auch diese Identifizierung ist nicht völlig gesichert. Doch gerade die Vorstellung ist unwiderstehlich: Der Baumeister tritt nicht als Herrscher oder Heiliger auf. Er schaut aus seinem eigenen Werk heraus. Der Künstler wird zum Beobachter seiner Betrachter.
IX. Der Orgelfuß – ein zweiter Blick des Baumeisters
Ein weiteres berühmtes Selbstbildnis befindet sich am sogenannten Orgelfuß von 1513. Hier ist die Verbindung zu Anton Pilgram deutlich besser belegt. Eine Figur lehnt sich aus dem architektonischen Träger heraus; ein Schriftband beziehungsweise die Signatur verweist auf den Meister. Dieser Orgelfuß trug einst eine Schwalbennestorgel.
Fundort: Nordwand, im nordöstlichen Bereich des Langhauses
Wo? Vom Haupteingang aus links halten und dem nördlichen Seitenschiff nach Osten folgen. Der Orgelfuß befindet sich an der Nordwand, nicht weit vom Übergang zum Chorbereich. Es lohnt sich, Kanzel und Orgelfuß zusammen anzusehen. Beide zeigen ein bemerkenswert modernes Motiv: Derjenige, der am Bau beteiligt ist, schreibt sich selbst in das Bauwerk ein. Nicht als Stifter mit Krone. Als Handwerker mit Gesicht.
X. Drei Chöre statt einer einzigen Bühne
Der Ostteil des Doms gliedert sich in drei Chöre. In der Mitte liegt der Hauptchor mit dem Hochaltar. Nördlich befindet sich der Frauenchor, südlich der Apostelchor. Diese Dreiteilung ist für die Orientierung entscheidend. Viele der wichtigsten Kunstwerke des Stephansdoms verteilen sich auf diese drei Zonen. Man kann sie wie drei unterschiedliche Kapitel lesen:
- Mittelchor: Liturgie und barocke Inszenierung.
- Frauenchor: mittelalterlicher Flügelaltar und Marienverehrung.
- Apostelchor: dynastische Memoria und das Grab Friedrichs III.
XI. Der Hochaltar – Barock in einem gotischen Raum
Der Hochaltar wurde 1647 geweiht. Johann Jakob Pock schuf die Architektur, Tobias Pock das große Altarbild mit der Steinigung des heiligen Stephanus. Sein Material – vor allem dunkler Marmor – und seine monumentale Höhe verändern den gotischen Chor vollständig.
Der Altar versucht nicht, sich der mittelalterlichen Architektur unterzuordnen. Er setzt einen neuen Akzent. Das ist typisch für den katholischen Barock nach Reformation und Gegenreformation: Religion soll nicht nur erklärt, sondern sinnlich inszeniert werden. Das Martyrium des Kirchenpatrons wird zur monumentalen Bühne.
Fundort: Mittelchor, ganz im Osten
Wo? Geradeaus vom Haupteingang durch das Mittelschiff. Der Hochaltar bildet den optischen Endpunkt der Hauptachse. Hier lässt sich besonders gut beobachten, wie verschiedene Epochen aufeinander reagieren: gotische Raumhülle, barockes Altarwerk, moderne liturgische Nutzung.
XII. Der Wiener Neustädter Altar – ein mittelalterliches Bilderbuch
Im Frauenchor steht der sogenannte Wiener Neustädter Altar, datiert 1447. Er gehört zu den bedeutendsten erhaltenen gotischen Flügelaltären Österreichs. Ursprünglich befand er sich nicht in Wien, sondern in Wiener Neustadt; erst 1884 kam er nach St. Stephan.
Der Altar besitzt mehrere Ansichten. Je nachdem, ob die Flügel geöffnet oder geschlossen sind, verändert sich das Bildprogramm. Darin liegt eine Qualität mittelalterlicher Altararchitektur, die moderne Museumspräsentationen leicht vergessen lassen: Ein Flügelaltar ist kein statisches Bild. Er ist ein veränderbares visuelles System, dessen Erscheinung sich nach Festtag und liturgischer Situation richten kann.
Fundort: Frauenchor
Wo? Vom Haupteingang aus nach vorne und im Chorbereich nach links, also auf die Nordseite. Der Frauenchor bildet den nördlichen der drei Chorabschlüsse. Wer den Altar ansieht, sollte nicht nur die Figuren und Malereien betrachten, sondern auch die Scharniere, Flügel und Rahmen. Seine Mechanik gehört zur Bedeutung.
XIII. Das Grab Friedrichs III. – ein Kaiser aus rotem Stein
Auf der gegenüberliegenden Seite, im Apostelchor, steht eines der wichtigsten spätmittelalterlichen Grabmäler Europas. Kaiser Friedrich III. ließ seine Grabplatte bei Niclas Gerhaert van Leyden in Auftrag geben. Die Arbeiten am Gesamtmonument zogen sich über Jahrzehnte; 1513 wurde der Kaiser dort endgültig bestattet.
Das Material wird häufig als Adneter Marmor bezeichnet – geologisch ein Kalkstein aus dem Salzburger Raum. Seine rötliche Färbung gibt dem Monument eine fast körperliche Präsenz. Die Deckplatte allein wiegt mehrere Tonnen. Friedrich erscheint im Krönungsornat, umgeben von Wappen und Herrschaftszeichen. Das Grab ist deshalb nicht nur Erinnerung an einen Toten. Es ist politische Bildsprache. Der tote Kaiser wird noch einmal als Herrscher organisiert.
Fundort: Apostelchor
Wo? Vom Haupteingang nach vorne, dann im Chorbereich nach rechts, also auf die Südseite. Das monumentale Hochgrab ist kaum zu übersehen. 1945 wurde es vorsorglich eingemauert und überstand dadurch den Dombrand weitgehend unbeschädigt. Diese Schutzmauer ist nicht mehr sichtbar. Aber sie gehört zur Biografie des Kunstwerks.
XIV. Maria Pötsch – ein Bild zwischen Wien und dem Osten Europas
Eine der wichtigsten Andachtsikonen des Doms ist das Gnadenbild Maria Pötsch. Das Bild stammt aus dem damaligen ungarischen Pócs, dem heutigen Máriapócs. Ihm wurde 1696 ein Tränenwunder zugeschrieben. Kaiser Leopold I. ließ das Bild nach Wien bringen, wo es zu einem wichtigen Objekt habsburgischer Frömmigkeit wurde.
Es zeigt eine andere Art von Kunst als das Kaisergrab oder die Kanzel. Seine Bedeutung liegt weniger in kunsthistorischer Virtuosität als in seiner religiösen Biografie. Ein Gnadenbild ist nicht nur Darstellung. Es ist ein Bild, dem etwas widerfahren sein soll.
Fundort: im östlichen Bereich des Langhauses
Wo? Am Altar Maria Pötsch nahe dem Übergang zum Chorbereich. Wer vom Haupteingang nach Osten geht, findet das Bild im vorderen Teil des Kirchenraums; die genaue Zugänglichkeit kann durch liturgische Absperrungen variieren. Hier lohnt sich ein Perspektivwechsel: Nicht jedes bedeutende Objekt im Dom ist bedeutend, weil Kunsthistoriker es zum Meisterwerk erklärt haben. Manche Objekte wurden durch jahrhundertelange Verehrung bedeutend.
XV. Die Dienstbotenmadonna – Gotik auf Augenhöhe
Die sogenannte Dienstbotenmadonna gehört zu den besonders beliebten mittelalterlichen Skulpturen des Doms. Die Sandsteinfigur entstand ungefähr 1320 bis 1330. Ihre heutige Bezeichnung geht auf Legenden und die spätere Volksfrömmigkeit zurück; über die Jahrhunderte wurde sie restauriert, verändert und mehrfach innerhalb des Doms versetzt.
Gerade solche Werke zeigen die andere Geschichte großer Kathedralen: Nicht nur Kaiser und Bischöfe benutzen sie. Auch Dienstboten, Handwerker, Händler und Reisende schaffen durch Gebete, Legenden und Gewohnheiten eigene Bedeutungsräume.
Fundort: am Übergang Apostelchor / Südturmhalle
Wo? Im südöstlichen Bereich des Dominneren, am Wandpfeiler an der Ecke des Apostelchores zur Südturmhalle. Sie steht damit nicht im musealen Zentrum. Man muss sie suchen. Das passt zu ihrer Geschichte.
XVI. Der Zahnweh-Herrgott – Volksfrömmigkeit mit Humor
Auch der sogenannte Zahnweh-Herrgott gehört zu den eigentümlichsten Figuren des Doms. Die Darstellung zeigt Christus als Schmerzensmann. Eine Wiener Legende erzählt von Spöttern, die sich über die schmerzverzerrte Figur lustig machten und daraufhin selbst von Zahnschmerzen geplagt wurden. Erst ihre Reue habe Heilung gebracht. Aus theologischer Darstellung wird dadurch fast eine urbane Kurzgeschichte.
Fundort: Original und Kopie
Original: an der Westwand der Nordturmhalle im Inneren.
Kopie: außen an der Ostseite des Mittelchores in der sogenannten Armenseelennische.
Gerade dieses Doppel ist interessant. Das kostbare Original wurde geschützt ins Innere versetzt; außen blieb die volkstümliche Präsenz durch eine Kopie erhalten. Die Funktion überlebt den Ortswechsel.
XVII. Bischofstor und Singertor – Seiteneingänge als politische Bilder
Die großen Seitenportale des Doms werden leicht übersehen, weil heute fast alle Besucher durch das Riesentor kommen. Doch im mittelalterlichen Zeremoniell waren verschiedene Zugänge unterschiedlichen Gruppen und Funktionen zugeordnet. Das Singertor auf der Südseite und das Bischofstor auf der Nordseite gehören zum reichen Figurenprogramm des gotischen Doms. Am Singertor erscheinen unter anderem Herzog Rudolf IV. und Katharina von Luxemburg.
Damit wird Architektur zur Darstellung gesellschaftlicher Ordnung. Ein Portal ist nicht nur Öffnung. Es sagt, wer eintreten darf, auf welchem Weg und unter welchem Bildprogramm.
Fundort
Singertor: außen an der Südseite des Langhauses, westlich des Südturms.
Bischofstor: außen an der Nordseite des Langhauses.
Wer Zeit hat, sollte den Dom deshalb einmal vollständig umrunden. Die Westfassade allein erzählt nur einen Teil seiner politischen Ikonografie.
XVIII. Die Capistrankanzel – Predigt im öffentlichen Raum
Außen am Dom befindet sich eine weitere Kanzel, die sogenannte Capistrankanzel. Sie erinnert an Johannes Capistranus, den franziskanischen Prediger des 15. Jahrhunderts. Die Verbindung von Predigt und Außenraum zeigt, dass der Domplatz im Mittelalter und in der frühen Neuzeit selbst Teil der religiösen Bühne war. Kirche endete nicht an der Kirchenmauer.
Fundort: Außenseite des Chores
Wo? An der nordöstlichen Außenseite des Doms im Bereich des Chores. Wer dort steht, sollte sich den heutigen Stephansplatz ohne moderne Geschäfte, U-Bahn und Touristenströme vorstellen: dichter bebaut, mit Friedhofsflächen und religiösen Prozessionen. Die Kanzel wird dann verständlicher.
XIX. Die Katakomben – Wien unter Wien
Unter und neben dem Dom liegt eine Welt, die der helle Stephansplatz vollständig verbirgt. Nach der Auflassung des Friedhofs um St. Stephan im 18. Jahrhundert wurden Teile der unterirdischen Räume als Begräbnisstätten genutzt. In den Katakomben befinden sich bischöfliche Grablegen, die Herzogsgruft und Gebeine aus dem ehemaligen Friedhofsbereich.
Besonders eigentümlich ist die habsburgische Bestattungspraxis: Während viele Körper in der Kaisergruft bei den Kapuzinern bestattet wurden und Herzen in der Augustinerkirche, befinden sich im Stephansdom auch Urnen mit Eingeweiden von Mitgliedern des Hauses Habsburg. Der Körper der Dynastie wurde gewissermaßen über Wien verteilt.
Fundort: Zugang im Dom
Wo? Der Treffpunkt für Katakombenführungen befindet sich im Dom; die Räume sind nur geführt zugänglich. Architektonisch ist der Abstieg wichtig, weil sich dadurch die vertikale Logik des Stephansdoms vervollständigt: oben der Turm, in der Mitte die Stadt und die Liturgie, unten die Toten. Der Dom verbindet Himmel, Öffentlichkeit und Untergrund.
XX. Der Dombrand von 1945 – als ein Wahrzeichen sterben konnte
Am Ende des Zweiten Weltkriegs geriet St. Stephan in Brand. Das Feuer entstand nicht durch einen direkten Bombentreffer auf das Dach, sondern griff von brennenden Gebäuden der Umgebung über. Der mittelalterliche Dachstuhl brannte aus. Gewölbeteile stürzten ein. Orgel, Chorgestühl und zahlreiche Kunstwerke gingen verloren oder wurden schwer beschädigt. Auch die alte Pummerin stürzte ab. Für Wien war der Brand mehr als die Zerstörung eines historischen Gebäudes.
Das Bild des ausgebrannten Stephansdoms wurde zum Symbol einer zerstörten Stadt. Gerade deshalb bekam der Wiederaufbau eine außergewöhnliche gesellschaftliche Bedeutung. Österreichische Bundesländer finanzierten Teile des Wiederaufbaus, Spenden wurden gesammelt, 1952 konnte der Dom feierlich wiedereröffnet werden. Der Dom wurde damit nach 1945 ein zweites Mal gegründet: nicht als mittelalterliche Kirche, sondern als Symbol der Republik.
Fundort: eigentlich überall
Die Spuren des Wiederaufbaus sind nicht auf ein einzelnes Objekt begrenzt.
- Das Dach besitzt eine moderne Stahlkonstruktion.
- Die heutige Pummerin ist ein Nachkriegsguss.
- Teile der Ausstattung wurden erneuert.
- Die große Westorgel hat eine Nachkriegsgeschichte und wurde zuletzt grundlegend restauriert und erweitert.
Wer den Dom nur als Mittelalter sieht, sieht deshalb ungefähr die Hälfte seiner Bedeutung.
XXI. O5 – ein kleines Zeichen an einer riesigen Kirche
Außen am Dom befindet sich ein unscheinbares Zeichen: O5. Es wurde in den letzten Jahren des Nationalsozialismus als Symbol österreichischen Widerstands verwendet. Die „5” steht dabei für den fünften Buchstaben des Alphabets, E; O5 lässt sich somit als OE, also Österreich, lesen. Das Zeichen am Stephansdom wurde nach dem Krieg konserviert beziehungsweise sichtbar gehalten.
Fundort: Westfassade beim Riesentor
Wo? Außen rechts neben dem Riesentor. Es gehört architektonisch natürlich nicht zum mittelalterlichen Dom. Gerade deshalb ist es wichtig. Ein Bauwerk, das seit Jahrhunderten Symbol Wiens ist, wird hier selbst zur Fläche politischer Erinnerung. Die kleine Chiffre und das monumentale Portal stehen nebeneinander. Geschichte kennt keine einheitlichen Maßstäbe.
XXII. Die Orgel – die Kathedrale als Instrument
Musik gehört zur Architektur von St. Stephan. Der gotische Raum ist nicht nur für das Auge gebaut; seine Höhe und Gewölbe formen Klang. Die große Orgel auf der Westempore hat eine komplizierte Nachkriegsgeschichte. Die beim Brand zerstörte Vorgängerorgel wurde 1960 durch ein neues Instrument ersetzt. Seit den 1990er Jahren ergänzt eine Chororgel von Rieger die liturgische Musik. Die große Westorgel wurde im 21. Jahrhundert umfassend restauriert und technisch neu konzipiert.
Fundort: Westempore
Wo? Nach dem Eintritt durch das Riesentor umdrehen und nach oben blicken. Die große Orgel befindet sich über dem Haupteingang auf der Westempore. Hier zeigt sich ein oft übersehener Punkt: Kathedralen sind nicht nur Bildräume. Sie sind Klangmaschinen.
XXIII. Was man beim Besuch leicht übersieht
Der Stephansdom belohnt eine langsame Betrachtung. Einige Dinge sollte man bewusst suchen:
1. Die Unterschiede der Steinoberflächen
Nicht jeder Stein stammt aus derselben Zeit. Restaurierungen, Kriegsschäden, Austausch und Verwitterung schreiben sich in die Fassaden ein.
2. Die Strebepfeiler
Fundort: außen an Langhaus und Chor.
Sie sind keine Dekoration, sondern Teil des gotischen Tragwerks. Sie nehmen den seitlichen Schub der Gewölbe auf und erlauben dadurch größere Höhen und Fensterflächen.
3. Wasserspeier
Fundort: außen, besonders gut mit Abstand und Fernglas beziehungsweise Kamerazoom zu erkennen.
Sie verbinden Funktion und Fantasie. Regenwasser wird vom Mauerwerk weggeleitet – durch groteske Wesen.
4. Maßwerk
Fundort: Fenster, Turmarchitektur, Brüstungen.
Gotik verwandelt Geometrie in Ornament. Kreise, Spitzbögen und vielfach gebrochene Formen bilden eine steinerne Mathematik.
5. Grabplatten und Epitaphien
Fundort: an Wänden, Pfeilern und in Kapellen.
Der Dom war über Jahrhunderte auch Gedächtnisraum. Nicht jedes Denkmal gehört einer berühmten Person; gerade die weniger bekannten Namen zeigen das soziale Netzwerk einer Kathedrale.
XXIV. Ein Rundgang für etwa neunzig Minuten
Vor Ort ergibt sich dieser Rundgang:
Station 1 – Westfassade
Fundort: Stephansplatz, Westseite.
Riesentor, Heidentürme, O5-Zeichen.
Frage: Was ist hier noch romanisch, bevor die Gotik beginnt?
Station 2 – Südseite
Fundort: entlang des Langhauses zum Südturm.
Singertor, Strebewerk, Südturm.
Frage: Wie wird Stein optisch leichter, je höher der Turm steigt?
Station 3 – Blick aufs Dach
Fundort: Südseite oder später vom Turm.
Ziegelmuster und Wappen.
Frage: Wo endet Mittelalter, wo beginnt Wiederaufbau?
Station 4 – Ostseite
Fundort: hinter dem Chor.
Armenseelennische und Kopie des Zahnweh-Herrgotts.
Frage: Wie verwandelt Volksfrömmigkeit Skulptur in Geschichte?
Station 5 – Nordseite
Fundort: zurück Richtung Westfassade.
Bischofstor, Nordturm.
Frage: Was erzählt der unvollendete Turm über historische Grenzen von Planung?
Station 6 – Eintritt durch das Riesentor
Fundort: Westportal.
Erster Blick durch das Langhaus auf den Hochaltar.
Frage: Wie führt die Architektur den Blick?
Station 7 – Kanzel
Fundort: links im vorderen Langhaus.
Kirchenväter, Tiere, Fenstergucker.
Frage: Wo wird aus Architektur Skulptur?
Station 8 – Orgelfuß
Fundort: Nordwand, weiter östlich.
Pilgrams Selbstbildnis.
Frage: Warum verewigt sich ein Baumeister in einer Kirche?
Station 9 – Frauenchor
Fundort: vorne links.
Wiener Neustädter Altar.
Frage: Wie verändert ein Flügelaltar sein Bildprogramm?
Station 10 – Mittelchor
Fundort: zentral im Osten.
Barocker Hochaltar.
Frage: Was macht ein barockes Kunstwerk mit einem gotischen Raum?
Station 11 – Apostelchor
Fundort: vorne rechts.
Grab Friedrichs III.
Frage: Wie sieht Macht aus, wenn sie sich für die Ewigkeit darstellen will?
Station 12 – Dienstbotenmadonna
Fundort: Ecke Apostelchor / Südturmhalle.
Frage: Wie unterscheidet sich populäre Verehrung von dynastischer Erinnerung?
Station 13 – Nordturmhalle
Fundort: nördlicher Turmbereich.
Original des Zahnweh-Herrgotts und Zugang zum Nordturm.
Station 14 – Pummerin
Fundort: Nordturmplattform.
Frage: Kann eine Glocke politisches Gedächtnis sein?
Station 15 – Katakomben
Fundort: unter dem Dom, nur Führung.
Herzogsgruft, bischöfliche Grablegen, historische Begräbnisräume.
Frage: Warum liegt unter einem öffentlichen Wahrzeichen eine Stadt der Toten?
XXV. Der Stephansdom und die Erfindung Wiens
Am Ende ist St. Stephan deshalb schwer in eine kunsthistorische Kategorie zu zwingen. Natürlich ist er eines der wichtigsten gotischen Bauwerke Österreichs. Doch das erklärt seine Bedeutung nur teilweise. Der Dom ist zugleich: romanisches Fragment, gotisches Großprojekt, habsburgische Grablege, barocker Kirchenraum, städtischer Friedhof, Erinnerungsort an Osmanenkriege, Ort von Reformation und Gegenreformation, Symbol österreichischen Widerstands, Ruine von 1945,
Monument des Wiederaufbaus, Touristenattraktion, Bischofskirche, und noch immer ein benutzter religiöser Raum. Das unterscheidet ihn fundamental von einem Museum. Im Museum endet die ursprüngliche Funktion eines Gegenstandes meistens, damit seine historische Bedeutung betrachtet werden kann. Im Stephansdom laufen ursprüngliche Funktion und historische Betrachtung gleichzeitig weiter. Hier wird noch gebetet. Während Besucher fotografieren. Hier wird noch gepredigt.
Unter einer Kanzel, die Kunsthistoriker analysieren. Hier läuten Glocken. Die zugleich Denkmäler sind. Hier werden Tote bestattet und Verstorbene erinnert. Während unter den Füßen Knochen aus vergangenen Jahrhunderten liegen. Der Stephansdom ist deshalb kein Behälter von Geschichte. Er ist eine Institution, in der Geschichte weiterarbeitet.
XXVI. Der letzte Blick
Wer den Dom verlässt, sollte sich nach einigen Metern noch einmal umdrehen. Dann steht dort wieder die vertraute Silhouette. Der Südturm scheint plötzlich weniger selbstverständlich. Man weiß nun, dass sein Gegenstück nie vollendet wurde. Das bunte Dach sieht weniger mittelalterlich aus, weil man seine Stahlkonstruktion von 1950 mitdenkt. Das Riesentor ist nicht mehr nur Eingang, sondern Rest eines romanischen Vorgängerbaus. Unter dem Platz liegen Tote.
Im Südchor liegt ein Kaiser. Im Untergrund ein Herzog, der Wien durch Architektur zur Hauptstadt machen wollte. Im Nordturm hängt eine Glocke, die eine zerstörte Vorgängerin ersetzt. Und an der Mauer steht klein O5. Vielleicht besteht die eigentliche Größe des Stephansdoms gerade darin, dass er all diese Widersprüche nicht auflöst. Er ist alt und rekonstruiert. Heilig und touristisch. Österreichisch und europäisch. Dynastisch und republikanisch.
Monumental und voller kleiner, beinahe übersehbarer Figuren. Wien hat den Dom nicht ein einziges Mal gebaut. Es baut seit fast neunhundert Jahren an ihm weiter. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum der Stephansdom nicht nur in Wien steht. Er ist eine der Formen, in denen Wien sich selbst erzählt.
Kompakte Fundortübersicht
Objekt / Besonderheit Epoche Fundort
Riesentor Romanik, 13. Jh. Westfassade, Haupteingang
Heidentürme Romanik Westfassade, beidseits des Riesentors O5-Zeichen 20. Jh. außen rechts neben dem Riesentor Singertor Gotik Südseite des Langhauses Bischofstor Gotik Nordseite des Langhauses
Südturm / „Steffl” Gotik, vollendet 1433 Südseite; Aufgang außen Ziegeldach und Wappen mittelalterliche Form, Wiederaufbau 1950 über Langhaus und Chor; gut von den Türmen sichtbar Nordturm / Adlerturm Gotik/Renaissance, unvollendet Nordseite Pummerin 1951/52 Nordturmplattform
Kanzel Spätgotik, um 1500 links/nördlich im vorderen Langhaus „Fenstergucker” Spätgotik unter der Kanzeltreppe Orgelfuß mit Meisterbildnis 1513 Nordwand im östlichen Langhausbereich Wiener Neustädter Altar 1447 Frauenchor, vorne links/nördlich
Hochaltar Barock, 1647 Mittelchor, östliche Hauptachse Grab Friedrichs III. Spätgotik, 15./16. Jh. Apostelchor, vorne rechts/südlich Maria Pötsch 17. Jh., ältere Ikonentradition östlicher Kirchenraum nahe Chor Dienstbotenmadonna um 1320–1330 Ecke Apostelchor / Südturmhalle
Zahnweh-Herrgott, Original mittelalterlich Westwand der Nordturmhalle Zahnweh-Herrgott, Kopie moderne Kopie des Originals außen am östlichen Mittelchor, Armenseelennische Capistrankanzel Spätmittelalter außen am nordöstlichen Chorbereich Große Orgel 20./21. Jh. Westempore über dem Haupteingang
Herzogsgruft Mittelalter Katakomben unter dem Chor Katakomben v. a. 18. Jh. Nutzung unter Dom und Domplatz, nur Führung
Quellen und weiterführende Hinweise
Für historische Daten, heutige Lageangaben und Besuchsbereiche wurden insbesondere herangezogen:
- Domkirche St. Stephan, offizielle Website: Geschichte, Kathedrale, Nordturm, Südturm, Katakomben und Dachboden.
- WienTourismus: „Wiener Stephansdom” sowie Informationen zum historischen Zentrum Wiens und zu den Habsburgern.
- Wien Museum Online Sammlung: historische Darstellungen des Apostelchors und des Grabmals Friedrichs III.
- Leopold Museum Online Collection: Rudolf von Alts Darstellung des Grabmals Friedrichs III.
- Erzdiözese Wien: Hinweise zum Wiener Neustädter Altar und zu Andachtsorten in St. Stephan.
- Ö1/ORF: Dokumentation zu Symbolen und volkstümlichen Überlieferungen des Stephansdoms.
- Verein „Unser Stephansdom”: Dokumentationen zur Dienstbotenmadonna und zur Armenseelennische.
Hinweis: Zuschreibungen einzelner spätgotischer Werke – insbesondere der berühmten Domkanzel und des „Fensterguckers” – sind in der Forschung nicht in allen Punkten eindeutig. Im Text werden traditionelle Zuschreibungen deshalb von gesicherten Befunden unterschieden.